|
|
ENTGIFTEN
- ENTSCHLACKEN & ABNEHMEN
Streicheleinheiten für Körper und Seele
Das Abendmahl
Gefastet wird nach der Buchinger-Methode. Morgens und mittags stärken wir uns mit frischgepress-tem Apfel-Kiwi- oder Apfel-Karotten-Orangensaft. Das Abendmenü besteht aus einer heißen Rote Beete-, Spargel- oder Karotten-Kartoffelbrühe. Mit einem Teelöffel Hefeflocken und einer kräftigen Prise Chilipulver nehmen wir das kärgliche Mahl schweigend ein. Aloisia mahnt uns, jeden Tag zwei bis drei Liter Wasser und Tee zu trinken. Eine tägliche Darmreinigung- oder -spülung mit Glaubersalz oder Irrigator ist Pflicht. Tee-sorten, wie "Haustee nach Louis Trenker", "Sonnenkind- oder Glückstee", lassen jeden Kaffeetrinker zum Teeliebhaber werden. Täglich wird zirka zehn bis vier-zehn Kilometer gelaufen. Gemeinsam versuchen wir unser Gruppentempo herauszufinden. Wenn die Kondition oder das Laufbedürfnis zu weit auseinander liegen, wartet die vordere Gruppe auf die Nachzügler. Auf jeder neuen Exkursion lernen wir von Aloisia, welche Wildkräuter essbar und für die Gesundheit wichtig sind. Wussten Sie, dass man die kleinen Gänseblümchen mit ihren weiß-gelben Köpfchen verzehren kann. Sie schmecken richtig lecker, mild und ein wenig nach Nuss.
Die von Aloisia mit viel Liebe zum Jagsttal ausgesuchten Routen, führen
durch schmale und geheimnisvolle Wege, auch mal durch dichtes Unterholz.
An gelbblühenden Rapsfeldern und Ginsterhecken entlang, kühlen wir uns
an kleinen Bächlein, erblicken barocke Kirchlein und bunte Blumenwiesen.
Beim nächsten Marsch stiefeln wir stramm am Stammsitz von Götz von Berlichingen,
der legendären Götzenburg, vorbei. Durch einen verschlungenen Pfad gelangen
wir an das "Augenbrünnle" der Wallfahrtskirche Neusaß, dessen Wasser
Heilkraft für die Augen nachgesagt wird An einem Holztisch, mit zwei
mächtigen Bänken und einem bühnenreifen Panorama, lassen die müden Wanderer
sich nieder und zücken die Wasser- oder Teeflaschen. Da vergessen wir
sogar, dass wir fasten.
Fasten darf jeder der gesund ist. Wenn Sie ständig Medikamente einnehmen,
lassen Sie sich von einem fastenerfahrenen Arzt beraten. Freiwillig
ein paar Tage auf Essen zu verzichten, lindert Allergien, Rheuma, Migräne,
Hautkrankheiten, Herz- und Kreislauferkrankungen. Fastenwandern lässt
Pfunde fallen, macht schlanker und schöner. Sieben Tage Fastenwandern
mit Aloisia Schönke wird zur gesündesten Nebensache der Welt. Überzeugen
Sie sich selbst. Termine, Orte und Preise sowie Infor-mationen zum Viola-Fasten
finden Sie unter den nach-folgenden Adressen. Ute Mittelmeier
Fastenwandern
im Schwarzwald - eine Reise nach innen
Fastenwanderung durch
den Schwarzwald
ALOISIA SCHÖNKE bietet seit fünf Jahren Fastenwanderungen an. (Foto: Tanja Ronge) Aloisia Schönke ist für solche Einsätze gerüstet. Honig und Bachblüten, sogenannte Notfalltropfen, hat die studierte Biologin immer dabei. Doch deren Einsatz bleibt die Ausnahme. "Viele denken anfangs, dass sie nicht auf Essen verzichten und dann auch noch wandern können", sagt die Vierzigjährige. Doch diese Angst sei unbegründet. Lediglich Menschen, die auch sonst Konditionsprobleme hätten, kämen an ihre Grenzen. Aber das sei nicht durch die mangelnde Nahrungsaufnahme begründet. "Wandern und Fasten kann jeder gesunde Mensch". Viele seien beim Fasten häufig sogar besonders leistungsfähig und energiegeladen. "Die Gruppen laufen von Tag zu Tag schneller; zum Schluss laufen sie mir fast davon", sagt sie und lacht.
Diese Erfahrung teilt sie mit Christoph Michl, der als Begründer des Fastenwanderns gilt. "Ich mache das seit 25 Jahren und bin damals auch von Ärzten skeptisch beäugt worden", erinnert sich der Zweiundsechzigjährige. Seit rund 20 Jahren bietet er Fastenwandern in Kursen an und gründete die Fastenwanderzentrale - auch, um Mitstreitern eine Plattform zu geben. Mittlerweile präsentieren dort 50 Anbieter ihre Veranstaltungen und Michl bildet im Jahr rund zehn Fastenwanderleiter aus. Das Angebot ist in den vergangenen Jahren enorm gewachsen. Mittlerweile gibt es 700 bis 1000 Veranstalter, die sich allein mit Fastenwandern auseinandersetzen, schätzt Michl. Waren die meisten früher nur aufs Wandern ausgerichtet, so spielten nun immer häufiger Wellnessangebote wie Sauna, Schwimmbad und die Möglichkeit, sich massieren zu lassen, zunehmend eine Rolle, stellt er fest. "Fastenprogramme liegen genauso wie alle Arten von gesundheitsorientierten Angeboten im Trend", sagt auch Claudia Wagner, Geschäftsführerin des Veranstalters FIT Reisen in Frankfurt. Fasten ist nicht gleich Fasten. Es gibt viele Varianten. Unsere Gruppe nutzt die Methode von Dr. Otto Buchinger, die mittlerweile wohl am meisten verbreitet ist. Dabei nehmen die Teilnehmer neben Tee und Wasser auch Saft und Gemüsebrühe zu sich. Weit verbreitet ist auch das Früchtefasten, eine mildere Form des Fastens. Die in Darmstadt ansässige Seminarleiterin Simone Vetters (34) bietet im Herbst Traubenfasten mit deutschen Weintrauben vom Biowinzer an. "Eine Genussvariante", sagt Simone und lacht. Außerdem werde die Haut besonders schön, findet die frühere Ökowinzerin. Neben diesen Formen gibt es noch Rohsäftefasten, Molkefasten, Wasserfasten und vieles mehr. Allen gemeinsam ist: Beim Fasten wird nicht gehungert. "Der Stoffwechsel schaltet auf ein anderes Programm um", sagt Aloisia Schönke. Und durch die Darmreinigung kommt kein Hungergefühl auf. Der Mensch lebt beim Fasten von seinen Reserven. Für viele ist es eine neue und positive Erfahrung, dass der Körper über eine solche Eigensteuerung verfügt.
Die Beweggründe, warum Menschen sich entschließen, zu fasten, sind verschieden und ähneln sich doch zugleich. Das wird schon in der Gesprächsrunde am Anreisetag deutlich. Die 16 Teilnehmer sitzen am Tisch im Gemeinschaftsraum, den das Hotel Teuchtelwald in Freudenstadt in einem Anbau solchen Gruppen zur Verfügung stellt. Jeder erzählt, warum er sich entschlossen hat, mit fremden Menschen gemeinsam zu fasten. Da ist die Mutter von zwei pubertierenden Teenagern, die sich für ein paar Tage frei fühlen will von den Ansprüchen ihrer Lieben. Jeder zerre an ihr, beschreibt sie ihr Gefühl. Eine andere Teilnehmerin, Mutter von zwei Kleinkindern, bekam die Kur als Geschenk zum vierzigsten Geburtstag und will die Zeit ebenfalls intensiv für sich selbst nutzen. Die Jüngste in der Runde, 33 Jahre alt, grübelt über ihre Ehe und erwägt einhergehend mit Wohnort- und Jobwechsel ihre Beziehung zu beenden. Die Single-Frau aus Regensburg sucht Abstand zu ihrem stressigen Berufsalltag, und das Ehepaar aus München, das schon häufiger gemeinsam gefastet hat, will ungesunden Angewohnheiten trotzen und wieder stärker auf bessere Ernährung achten. Und klar: Alle wollen mit der Fastenkur auch ein paar Pfunde loswerden.
"Für viele Teilnehmer ist Abnehmen ein wichtiges Motiv", sagt Aloisia Schönke, die seit fünf Jahren solche Fastenwanderkurse anbietet. Aber für die meisten eben doch nicht der einzige Beweggrund. Klar, die Lieblingsjeans kneift und der Mantelknopf ging auch schon mal leichter zu. Der Winter hinterlässt seine Spuren: Zu wenig Bewegung, zu viel Naschereien, das Glas Rotwein am Abend. Vollgestopft, ja sogar übervoll. So lässt sich auch mein Gefühl vor Beginn des Fastenurlaubs beschreiben. Aber es ist eben nicht nur ein körperliches Völlegefühl. Der Wunsch, etwas ändern zu wollen - Ernährung, Lebensweise und Einstellung zum Alltag. Neue Schwerpunkte setzen. Entleeren und die Akkus wieder aufladen. Diese Motivation eint die Gruppe. "Wer nie innehält und sein Leben reflektiert, der geht an seiner Bestimmung vorbei", so sagt das unsere Fastenleiterin. Die gemeinsamen Wandertouren helfen, einen klaren Kopf zu bekommen - und verhindern den Muskelabbau. Durch die Sauerstoffdusche, das tiefe Atmen in frischer Luft würden Säuren verstärkt ausgeschieden und die Natur wirke wie eine Meditation im Gehen, schwärmt Schönke von der beruhigenden Kraft des Wanderns. Eben weil die meisten Teilnehmer in einem Fastenurlaub nicht nur einfach nichts essen wollen, bietet sie neben abendlichen Seminaren zur Ernährung und einer Einführung in die Welt der Wildkräuter jeden Tag auch Yoga und Meditation an. "Die meisten finden das sehr gut und sagen mir, dass sie Anstöße für ihr Leben bekommen", so ihre Erfahrung. Rund ein Drittel wolle das weitermachen und in den Alltag einbauen. Sie selbst meditiert regelmäßig. "Ich habe das anfangs auch nicht annehmen können", erinnert sie sich, "aber nur in der Stille kann man sich selbst kennenlernen". Deswegen gibt es während des einwöchigen Fastenseminars immer wieder Stillephasen. Den morgendlichen Fruchtsaft löffeln wir schweigend und auch beim Wandern verabreden wir unterschiedlich lange Schweigezeiten. In der Gruppe entsteht rasch eine eigentümliche Vertrautheit. Das bringen wahrscheinlich die Themen mit sich. Schließlich diskutieren Menschen normalerweise nicht sofort über Darmspülungen, Schlafprobleme oder seltsame Träume. Die Gruppe gibt Halt und Geborgenheit. Was Neulingen am ersten Morgen noch befremdlich vorkommt, nämlich die eigene Verdauung und das körperliche sowie seelische Befinden mit bis zuvor noch völlig Unbekannten zu besprechen, wird zu einem gewohnten Ritual. Außerdem reden wir ständig von Essen, aber nicht, weil wir Hunger haben. Es geht um Vollwertkost und gesunde Ernährung. Rezepte wandern über den Tisch. Und Renate und Jürgen verabreden sich mit Sandra in München auf eine Currywurst. Natürlich erst lange nach Ende des Fastenurlaubs. Denn Fleisch und Wurst sollte genauso wie Geflügel, Fisch und Eier die nächsten drei Wochen nach Ende des Seminars nicht auf dem Speiseplan stehen.
Vögel zwitschern, ansonsten ist außer unserem Atem wenig zu hören.
Wir laufen in der Nähe von Baiersbronn um den zugefrorenen Huzenbacher
See. Einige von uns haben schon ein paar Kilo verloren, andere weniger.
Manche haben Hochphasen, der eine oder andere auch eine sogenannte Fastenkrise
hinter sich. Etwa die Apothekerin aus Wiesbaden, die sich einmal morgens
so schwach fühlt, dass sie nicht mitwandern will, sich doch überzeugen
lässt und dann so flott unterwegs ist, dass sie sich selbst wundert.
Fastengegner kritisieren, dass die Teilnehmer einer solchen Kur zuviel
Eiweiß im Darm und der Muskulatur abbauen. Einwände, die Aloisia Schönke
nicht gelten lässt. Untersuchungen zeigten, dass das so nicht stimme.
Zum einen verringere sich mit zunehmender Fastendauer der Eiweißabbau,
erläutert sie uns. Und außerdem gelte gerade dieser Eiweißabbau in der
Naturheilkunde als gesund und gewollt - eben das, was landläufig als
entschlacken bezeichnet wird. Nach dem Fasten arbeite der Stoffwechsel
dann wieder besser, weil möglicherweise schadhafte Enzyme neu aufgebaut
würden. "Das ist wie eine Motorüberholung." Kritiker hin oder her, wir
fühlen uns fit - und erholt. "Ein einwöchiger Fastenurlaub ist so gut
wie drei Wochen normale Ferien", sagt Aloisia Schönke. Eine Auszeit,
die nachwirkt. Rosig und frisch stapfen wir die letzten Meter unserer
Wanderung und sind fest entschlossen, künftig gesünder und bewusster
zu leben. Zumindest die nächste Zeit. Fastenwandern war ich jedenfalls
nicht zum letzten Mal.
Mit Wanderstiefeln, Obstsaft und Gemüsebrühe Fastenwanderungen sind Reisen zum eigenen Ich / Bis zu fünf Stunden pro Tag an der frischen Luft / Essen als dankbares Thema Kreis Freudenstadt. Es ist der vierte Tag einer sechstägigen Fastenwoche, und ihre Kursteilnehmer sind gut drauf. " Es wird jeden Tag besser" strahlt eine Frau aus Backnang. Sie hat den Morgen mit kalten Waschungen begonnen und freut sich nun auf das Wandern. Zuerst aber steht das Frühstücks-Zeremoniell an. Frühstück mit Tees, Wasser, Honig und Saft. Dann berichtet reihum jeder Teilnehmer über sein Befinden und seine Befindlichkeiten. Viele erzählen von wirren Träumen in der Nacht. Aloisia Schönke lächelt: " Da kommt vieles hoch, was nicht verarbeitet ist."
Fasten ist eben nach Schönkes Erfahrung mehr als nur nicht Essen. " Du hörst Deine eigene Stimme", sagt sie. Meditation, Vorträge, Yoga und Entspannungstechniken begleiten die Fastenwoche, öffnen und säubern Körper und Geist, geben Ruhe und Gelassenheit, machen aufnahmebereit für alte und neue Weisheiten des Lebens. Bis zu fünf Stunden, von Pausen unterbrochen und von Tee begleitet, sind die Tastenden an der frischen Luft beim Wandern, studieren Blumen und Gräser, lauschen dem Ruf der Singdrossel. Das Gehen in Gemeinschaft und mit Gleichgesinnten öffnet neue Horizonte und bestärkt untereinander.
Es wird geschweigen, aber es wird auch viel gelacht und erzählt. Essen ist ein dankbares Thema: "Wir tauschen Rezepte aus", lächelt eine Frau aus der Schweiz. Aber sie versichert im gleichen Atemzug: "Sie könnten mir jetzt die schönste Schwarzwälder Kirschtorte hinstellen, ich würde kein Stück mögen." Das Hungergefühl hat sich bei allen Fastenden längst verabschiedet. Der Verzicht auf Essen und äußere Reize fällt am vierten Tag viel leichter als am Anfang, berichtet eine Frau aus Ettlingen. Sie hatte eigentlich teilgenommen, um Gewicht zu verlieren. Das aber ist ihr nicht mehr wichtig. Sie wird am Ende um etwa 5 Kilo leichter sein, aber so die Ettlingerin, "ich nehme mehr für den Alltag mit nach Hause, viel mehr" Da nicken alle Teilnehmer eifrig. "Und wenn es die Erfahrung ist, seine eigene Schwäche einzugestehen", murmelt ein Mann aus Ludwigsburg leise vor sich hin.
Von Hannes Kunnert
|